Hintergrundwissen: Nachhaltigkeits- und Gestaltungskompetenzen als Ziel
Nachhaltigkeitskompetenzen
Die Nachhaltigkeits- und Bildungswissenschaft beschäftigt sich seit Längerem mit der Frage, was relevante Nachhaltigkeitskompetenzen sind. Solche Kompetenzmodelle können unter anderem als Grundlage dienen, um nachhaltigkeitsbezogene Studiengänge und andere Bildungsangebote zu planen. Eines dieser Modelle wollen stellen wir in komprimierter Form vor.
Zur Entwicklung eines Konsenses aus verschiedenen Kompetenzbeschreibungen mit unterschiedlichen Bezeichnungen für gleiche oder ähnliche Kompetenzen führte der „National Council for Science and the Environment“ (NCSE) eine Delphi-Studie über Schlüsselkompetenzen und Programme für nachhaltige Entwicklung durch. Im Rahmen dieser Studie wurde ein Kompetenzmodell für die Hochschulbildung entwickelt:

Gewisse Basis- und fachliche Kompetenzen stehen in Zusammenhang mit wichtigen Schlüsselkompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung.
Das übergeordnete Ziel ist die Problemlösekompetenz. Sie ist definiert als die Fähigkeit und Bereitschaft, Prozesse kognitiv zu verarbeiten und zu gestalten, um Problemsituationen zu verstehen und zu lösen. In Bezug auf Nachhaltigkeit sind die Probleme meist durch eine hohe Komplexität und vielfältige Lösungsansätze gekennzeichnet. Es gilt deshalb disziplinärere, interdisziplinäre und transdisziplinäre Wissensformen zu integrieren.
Interpersonale Kompetenz beinhaltet die Fähigkeit, in Aushandlungsprozessen verschiedene Interessengruppen einzubeziehen und dabei motivierend und empathisch mit den Einstellungen und Sichtweisen anderer Personen zu arbeiten. Grundlage dafür sich beispielsweise Kommunikationsfähigkeiten, Teamarbeit und Konfliktlösekompetenz. Die Intrapersonale Kompetenz bezieht sich auf die Fähigkeiten einer Person, sich selbst zu verstehen, zu steuern und zu entwickeln. Dazu gehören u.a. Selbstbewusstsein, Selbstreflexion, Resilienz und Zielorientierung.
Systemisches Denken bedeutet, Themen nicht isoliert, sondern in ihrem größeren Kontext zu betrachten und dabei systemische Zusammenhänge einzubeziehen. Ein Beispiel für systemisches Denken ist, bei der Entwicklung neuer Produkte den gesamten Lebenszyklus des Produkts im Blick zu behalten. Also etwa einzubeziehen, woher die benötigten Rohstoffe kommen und welche Auswirkungen ihr Abbau hat sowie ebenso über das Ende eines Produktlebens hinauszudenken und die Entsorgung zu betrachten, inklusive eventueller positiver oder negativer Auswirkungen, etwa auf Mensch und Natur. Ein andere Beispiel ist, verschiedene Nachhaltigkeitsdimensionen einzubeziehen, um so etwa soziale Folgen der Nutzung von Social Media wie zunehmendes Online-Mobbing mitzudenken.
Die Kompetenz des Zukunftsdenkens umfasst die Fähigkeit, eigene Visionen und Szenarien zu entwickeln. Dazu gehören analytisches und kreatives Denken sowie Offenheit für unterschiedliche Perspektiven, um alternative Entwicklungen einzubeziehen und nicht nur lineare Fortschreibungen zu verfolgen.
Werteorientiertes Denken ist die Fähigkeit, ethische, soziale und persönliche Werte zu erkennen, zu bewerten und in Entscheidungen sowie Handlungen zu integrieren. Sie umfasst das Verstehen unterschiedlicher Perspektiven, die Einschätzung langfristiger Auswirkungen und die Ausrichtung von Entscheidungen an normativen Prinzipien.
Strategisches Denken zeichnet sich dadurch aus, planvoll und ausgerichtet auf Ziele zu handeln. Es umfasst sowohl den Einbezug der mittel- bis langfristigen zeitlichen Dimension als auch der Rahmenbedingungen. So werden beim strategischen Planen auch Umgebungsvariabeln einbezogen und Produkte oder Maßnahmen nicht isoliert betrachtet. Als ein Instrument strategischen Denkens haben wir im Kurs die SWOT-Analyse kennengelernt.
Implementierungskompetenz ist die Fähigkeit, Ideen, Pläne oder Konzepte erfolgreich in die Praxis umzusetzen und dabei konkrete Ergebnisse zu erzielen. Sie umfasst strukturiertes Vorgehen, Anpassungsfähigkeit und die effektive Nutzung vorhandener Ressourcen.
