• Dieses Lernelement ist das erste einer Lerneinheit zur Technologiebewertung. 
  • Nach einem einführenden Text kommt eine Frage zur Aktivierung von Vorwissen, für die per H5P Essay ein Notizblock bereitgestellt wird. 
  • Danach gibt es einen Ausblick auf die Lerneinheit.

Einführung Technologiebewertung


Vier arbeitende Menschen, die etwas zeigen, bewerten, ankündigungen oder bringen, und dabei teils Technik benutzen
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ca. 5 Min.

Im Laufe dieses Kurses sind Dir verschiedene Technologien begegnet. Viele davon sollen zur Erreichung der SDGs und einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Technologien sind aus Sicht der Nachhaltigkeit eine Lösungsoption, genauso aber Quellen von Problemen. Denn insbesondere die ökologischen Probleme, vor denen wir heute stehen, wurden in vielen Fällen durch Technologien mitverursacht. Kohlekraftwerke und Verbrennungsmotoren galten einst als Schlüssel zum Wohlstand, heute zählen sie zu den zentralen Treibern von Klimawandel und Luftverschmutzung.

Ob technische Innovationen Teil der Lösung oder Teil des Problems sind, lässt sich gar nicht so einfach beurteilen. Denn gerade bei neuen Techniken ist oft noch gar nicht klar, welche langfristigen Auswirkungen sie haben. Hinzu kommt: Ob Problem oder Lösung liegt nie an der Technik per se, sondern der Art, wie sie gebraucht wird und welches Verhalten sie auslöst. Zudem ist bei der Bewertung von Technik relevant, aus wessen Perspektive sie betrachtet wird. So können vielleicht durch Künstliche Intelligenz (KI) Produktionsprozesse optimiert und damit Ressourcen und Energie bei der Produktion eingespart werden, dadurch jedoch auf der anderen Seite Arbeitsplätze verloren gehen oder der Energiehunger für Training und Betrieb der KI dazu führen, dass mehr Atomkraftwerke gebaut werden, bei denen bis heute unklar ist, wo ihre hochradioaktiven Abfälle sicher eingelagert werden können.

Die Bewertung von Technik allgemein sowie aus Nachhaltigkeitsperspektive ist ein hochspannendes Feld, mit dem wir uns in dieser Lerneinheit beschäftigen. Dabei schauen wir uns umfangreiche, komplexe Verfahren der Technikbewertung an, aber auch einfachere Bewertungsinstrumente, die Du selber anwenden kannst.
Zwei relevante Fragen bei der Technikbewertung sind: Was ist das Ziel und welche Kriterien werden angewendet? So macht es einen Unterschied, ob Du verschiedene Technikprodukte bewerten willst, um darauf basierend eine Kaufentscheidung zu treffen, oder ob ein Ministerium eine Studie beauftragt, und langfristige Folgen der KI-Nutzung zu bewerten. Abhängig vom Ziel und zu bewertenden Gegenstand kämen vermutlich unterschiedliche Bewertungskriterien zum Einsatz, wobei einige wahrscheinlich identisch wären.

Vielfalt der Bewertungskriterien

Bevor Du weiterliest, überlege kurz und notiere alles, was Dir einfällt: Welche Kriterien fallen Dir zur Technikbewertung ein? Beziehe dabei ein, welche Stationen technische Produkte im Laufe ihres Lebens durchlaufen. Die Kriterien, können, müssen aber nicht auf Nachhaltigkeit abzielen.
Checkliste
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Aus Sicht von Unternehmen und Investor:innen ist ein interessanter Aspekt, welches Marktpotenzial neue technologische Produkte besitzen, welche Investitionen sie bis zur Marktreife erfordern und welche Risiken mit dem Produkt verbunden sind. Aus Sicht der Konsument:innen ist etwa relevant, welchen Mehrwert ein neues Produkt gegenüber bestehenden Produkten hat, in welchem Verhältnis Kosten und Nutzen stehen oder wie gut seine Usability, also seine Benutzungsfreundlichkeit, ist.

Diese Beispiele verweisen bereits auf die verschiedenen Lebensphasen eines Produkts, darunter die Entwicklung, die Produktion, der Vertrieb und der Gebrauch. Eine weitere wichtige Phase ist die Beseitigung am Lebensende des Produkts, zum Beispiel Entsorgungsaufwand.

In alle Phasen und Perspektiven (Produzent:innen, Konsument:innen) lassen sich Aspekte der Nachhaltigkeit in die Bewertung einbringen, etwa welche Art von Ressourcen benötigt und unter welchen Bedingungen diese gewonnen werden oder welche Emissionen eine Produkt im Laufe seines Lebenszyklus verursacht. Eine weitere wichtige Perspektive neben der von Produzent:innen und Konsument:innen ist die der Gesellschaft, denn Technologien sind immer gesellschaftlich eingebettet: Der Gebrauch von Technologien ist ebenso gesellschaftlich relevant – denke etwa an den Einfluss von Smartphones und Autoverkehr – wie Aspekte ihrer Produktion und Beseitigung – denke etwa an Abwässer und Luftemissionen von Fabriken, das Problem wilden Sperrmülls oder Altlasten aus Atomkraftwerken, die über Jahrhunderte eingelagert und überwacht werden müssen.

Bewertungsverfahren

Computer mit Lupe
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Bis hierhin wurde vermutlich schon deutlich, dass die Bewertung von Technologien schnell zu einem komplexen Unterfangen wird. Tatsächlich gibt es sehr umfangreiche Manuals zu Technikbewertung, wie die VDI-Richtlinie 3780 vom Verein Deutscher Ingenieure. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis hat sich die Technikfolgenabschätzung etabliert, die insbesondere bei der Politikberatung eine wichtige Rolle einnimmt, etwa durch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Bei der Technikbewertung nach VDI bzw. der Technikfolgenabschätzung handelt es sich um einen komplexen, strukturierten Bewertungsprozess, für den eine Vielzahl an Daten recherchiert und mittels verschiedener Methoden gezielt erhoben wird. Bei der Bewertung werden sowohl Aspekte ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit einbezogen. Ein Bewertungsverfahren, dass sich auf ökologische Aspekte fokussiert, ist dagegen die Ökobilanzierung.

Alle drei lernst Du in dieser Lerneinheit kennen. Diese Bewertungsprozesse in Gänze nachzuvollziehen, würde allerdings den Rahmen des Kurses sprengen. Zusätzlich beschäftigen wir uns mit einem einfacheren Bewertungsinstrument, der sogenannten SWOT-Analyse. Sie stammt aus der unternehmerischen Strategieplanung, lässt sich jedoch auf verschiedene Bewertungszwecke adaptieren, so auch auf eine vereinfachte Bewertung von Technologien aus Nachhaltigkeitsperspektive. Der Name SWOT verweist auf die Anfangsbuchstaben der vier Elemente dieser Analyse: Strengths/Stärken, Weaknesses/Schwächen, Opportunities/Chancen sowie Threats/Bedrohungen (bzw. Risiken).

In dieser Lerneinheit geht es darum, einen Überblick über verschiedene Arten der Bewertung von Technologien zu gewinnen und ausgewählte Bewertungsschritte ausführlicher nach- sowie exemplarisch selbst zu vollziehen.


Text und Aufgaben: Verena Eickhoff für SDG Campus 2025 als Creative Common BY-SA-4.0