Nachhaltigkeitsprinzipien
ca. 25-30 Min.
Prinzipien allgemeiner Nachhaltigkeit
- achte darauf, welche Prinzipien Du schon aus dem Kurs kennst und welche neu sind.
- Überlege am Ende, inwiefern sich diese Prinzipien auf die Entwicklung von Technologien anwenden lassen.
- Nachhaltigkeit als kulturell-normatives Leitmotiv, das ein ethisch-moralisches Handeln einfordert.
- Ganzheitlichkeit und Integration: Alle drei Dimensionen ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit werden gleichermaßen berücksichtigt, indem integrative Problemlösungen favorisiert werden, die alle drei Dimensionen einbeziehen.
- Intergenerationelle Gerechtigkeit: Menschen derzeitiger und kommender Generationen haben die gleichen Chancen. Bei Handlungen sind also die langfristigen Auswirkungen mitzudenken.
- Damit verbunden ist das Prinzip der präventiven Langzeitorientierung, das heißt schädliche Folgen von Handlungen werden im Vornhinein mitgedacht und durch Präventionsmaßnahmen unterbunden, so dass Schäden gar nicht erst entstehen und nicht aufwendig beseitigt werden müssen.
- Intragenerationelle Gerechtigkeit: Alle Menschen innerhalb einer Generation stehen die gleichen Rechte und Chancen zu, egal welcher Gruppe sie zugehören und wo auf der Welt sie leben. Handlungen sollen also keine gesellschaftlichen Gruppen oder Regionen benachteiligen.
- Der überregionale Aspekt wird durch ein weiteres Prinzip unterstützt: Glokalität nach dem Motto think global, act local, sodass lokale und globale Phänomene und Entwicklungen einbezogen werden.
- Partizipation und Verantwortung: Alle Personen und Gruppen, die von Entscheidungen und Handlungen betroffen sind (also alle Stakeholder:innen), werden an der Planung beteiligt und bekommen Verantwortung zugesprochen. Dieses Prinzip fußt stark auf demokratischen Teilhabemöglichkeiten.
Pufé, Iris (2014): Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 64 (31-32), S. 15–21.
Ressourcenorientierte Prinzipien
eigene Darstellung
Wenn wir diese sieben Prinzipien auf Technologien für mehr Nachhaltigkeit anwenden wollen, merken wir, dass wir uns nicht auf einer primär technischen Ebene bewegen, sondern Technologien im Kontext der Gesellschaft betrachten müssen. Drei andere Prinzipien, die im Nachhaltigkeitsdiskurs gut etabliert sind, haben einen etwas engeren Fokus auf den Bereich der Produktion und des Konsums inklusive der Bedeutung, die Technologien hier spielen. Das sind die Prinzipien der Effizienz, Konsistenz und Suffizienz.
Was ist damit gemeint? Kurz gesagt bezieht sich das Prinzip der Effizienz darauf, bei der Produktion von Dienstleistungen und Gütern weniger Ressourcen bei gleichem oder sogar höherem Ertrag einzusetzen, also besser zu produzieren. Effizienz wird oft als wirtschaftlich vorteilhaft betrachtet. Eine effizientere Nutzung von Rohstoffen trägt zudem zur Nachhaltigkeit bei. Effizienzsteigerungen werden oft durch technologische Innovationen erreicht.
Das Prinzip der Konsistenz zielt auf eine Produktion, die mit den Kreisläufen der Natur in Einklang steht. Die also verglichen mit der derzeit dominierenden Produktionsweise anders ist. Es geht beispielsweise darum, Abfälle, die nicht mehr verwertbar sind, zu vermeiden und stattdessen in Kreisläufen zu denken, also etwa Materialien immer wieder zu recyceln. Bei der Nutzung von Ressourcen wird die Regenerationsfähigkeit der Natur im Blick behalten und berücksichtigt, wie schnell Ressourcen erneuert oder Schadstoffe abgebaut werden können.
Das Prinzip der Suffizienz richtet sich nicht auf die Produktion, sondern den Konsum. Es hinterfragt, welche Produkte und Dienstleistungen wir tatsächlich zu einem guten Leben brauchen. Bezogen auf die Industrieländer plädiert das Prinzip für ein weniger an Konsum. Das muss nicht immer Verzicht bedeuten, sondern kann zum Beispiel ebenfalls durch die gemeinsame Nutzung von Produkten wie beim Carsharing erfolgen.
Effizienz
„Erwarte nicht von der Natur, mehr zu produzieren – erwarte von den Menschen, mehr mit dem anzufangen, was die Natur produziert.“ (Zitiert aus „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“)
Als Effizienz wird das Verhältnis zwischen einem definierten Nutzen und dem Aufwand, der zu dessen Erreichung notwendig ist, bezeichnet. Im Kontext der Nachhaltigkeit interessiert uns hier vor allem die Menge der eingesetzten Ressourcen (Rohstoffe und Energie) für die Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung. Effizienter zu wirtschaften heißt dann, das Verhältnis der eingesetzten Ressourcen zu den mit ihnen erzielten Ergebnissen zu verbessern, sprich das Gleiche oder mehr aus Weniger herzustellen. Es geht also um die Minimierung des Materialverbrauchs (Materialintensität), des Energieverbrauchs (Energieintensität) und des Ausstoßes schädlicher Stoffe wie z. B. CO2 bei der Bereitstellung von Produkten und Dienstleistungen. Es wird daher auch von Ökoeffizienz gesprochen.
Die Effizienzstrategie setzt auf der Seite der Produktion an; hier wird eine Veränderung in erster Linie durch technologische Fortschritte angestrebt. Da der geringere Verbrauch an Material und Energie für Unternehmen auch mit großen finanziellen Einsparpotentialen verbunden ist, wird in vielen Branchen kontinuierlich auf Effizienzsteigerung gesetzt. Ökoeffizienz hat also nicht nur ökologische, sondern auch betriebswirtschaftliche Vorteile (Effizienz = Wirtschaftlichkeit).
Einige Beispiele: War vor wenigen Jahren ein Anrufbeantworter noch ein separates Gerät, in das Kassetten eingelegt wurden, um Anrufenden die Möglichkeit zum Hinterlassen einer Nachricht zu geben, ist dieser in digitaler Form mittlerweile in fast jedes Telefon integriert. Das spart Material und damit Ressourcen. Der neue Anrufbeantworter ist also um ein Vielfaches effizienter im Hinblick auf die verbrauchten Ressourcen. Ein weiteres Beispiel: Hatte auf einer Computer- Diskette früher zunächst nicht einmal 1 Megabyte Platz (das reicht nicht mal für einen MP3-Song), passen heute auf einen winzigen USB-Stick mehrere Gigabyte an Daten. Dafür hätte man ganze Umzugskisten voll Disketten gebraucht und damit für die Herstellung auch ein Vielfaches an Metall, Kunststoff und Energie. Ressourcenärmere Produkte verbrauchen in der Herstellung und im Gebrauch häufig auch weniger Energie und stoßen somit weniger Klimagase aus.
Die Effizienz als Weg
zur Nachhaltigkeit ist vor allem von Ernst-Ulrich von Weizsäcker in die
deutsche Debatte eingebracht worden. Seine Hoffnung war und ist, dem
naturzerstörenden technologischen Fortschritt eine andere Richtung zu
geben. Die in der kapitalistischen Ökonomie immer schon beheimatete
Vorstellung, mit möglichst wenig möglichst viel zu erreichen, sollte von
der Steigerung der Arbeitsproduktivität auf die Steigerung der
Ressourcenproduktivität gelenkt werden. Mittels einer
„Effizienzrevolution“ und dem „Faktor Vier“ (mittlerweile Faktor Fünf)
soll doppelter Wohlstand (insbesondere für die Länder des Südens) bei
halbiertem Naturverbrauch erreicht werden. Damit sollen die alten
„Dinosauriertechnologien“ überwunden und ein nachhaltigerer technischer
Fortschritt erreicht werden.
Rebound-Effekte als Nachhaltigkeitshindernis
Durch eine gesteigerte Effizienz sollen Ressourcen gespart werden. Durch Rebound-Effekte kann dieses Ziel allerdings unterlaufen werden. Dies ist dann der Fall, wenn in der Produktion zwar Ressourcen eingespart, insgesamt durch ein verändertes Konsumverhalten oder steigende Nachfrage jedoch gleich viel oder sogar mehr Ressourcen verbraucht werden.Die Verbesserung der Energieeffizienz von Haushaltsgeräten kann dazu führen, dass diese Geräte häufiger oder länger genutzt werden, weil die Betriebskosten pro Stunde niedriger sind, was letztendlich die erwarteten Einsparungen reduziert oder aufhebt. Ähnliches lässt sich bei Autos beobachten: Eine verbesserte Treibstoffeffizienz wird teilweise dadurch aufgehoben, dass sich in Deutschland immer mehr Leute SUVs kaufen, die deutlich schwerer als ein Kleinwagen sind und dadurch mehr Treibstoff benötigen. Zudem werden für den Bau eines SUVs mehr Materialien benötigt als für einen Kleinwagen.
Rebound-Effekte können die Wirksamkeit von Effizienz als Nachhaltigkeitsstrategie mindern, da die Einsparungen kompensiert werden. Daher wird gefordert, dass Effizienzmaßnahmen von weiteren Maßnahmen wie einer Verbrauchsreduktion oder einem bewussteren Konsumverhalten begleitet werden sollten, um tatsächlich nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Konsistenz
Das Wort Konsistenz (lat. con = „zusammen“ + sistere = „halten“) bedeutet Zusammenhalt, Geschlossenheit und In-sich-Ruhen. In den Konsistenz- Strategien geht es um die Vereinbarkeit von Natur und Technik. Alternativ wird auch der Begriff Ökoeffektivität benutzt. Die Idee dahinter lautet: In intelligenten Systemen gibt es keine Abfälle, nur Produkte.
Die Konsistenz-Strategie setzt auf der Seite der Produktion an. Ziel ist, naturverträglich in Kreislaufsystemen zu wirtschaften. Inspiration hierfür liefert die Natur zur Genüge. So produziert ein Kirschbaum jährlich Tausende Blüten und Früchte. Viele davon fallen irgendwann faulig zu Boden, ohne die Umwelt zu belasten. Im Gegenteil: Als Teil eines nachhaltigen Systems verrotten die Früchte und werden zu Nahrung für Kleinstorganismen und zu Dünger für den Kirschbaum.
An diesem Vorbild soll und kann sich, so die Konsistenz-Strategie, auch die Produktion in der Wirtschaft orientieren. Bei der Konsistenz geht es nicht primär darum, pro produzierter Ware den Energieverbrauch und die Materialflüsse zu verringern, sondern die eingesetzten Ressourcen immer wieder neu zu nutzen. Solche idealtypischen Ketten werden auch als „cradle to cradle“ bezeichnet. Produkte gelangen nicht mehr von der Wiege (engl. „cradle“) zur Bahre, sondern von der Wiege zur Wiege.
Dies kann auf zweierlei Weise erfolgen: Es können kompostierbare Bestandteile verwendet werden, die komplett biologisch abbaubar sind, also von der Biosphäre innerhalb eines überschaubaren Zeitraums vollständig assimiliert und als Nährstoff in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden. So gibt es z. B. Shampoo ohne synthetische Inhaltsstoffe oder T-Shirts, die ohne toxische Stoffe produziert werden.
Aber wie lassen sich Autos, Gebäude oder Flugzeuge jemals kompostieren oder schadlos in den ökologischen Haushalt zurückführen? Hier greift eine weitere Möglichkeit, Stoffkreisläufe zu schließen: Materialien, die biologisch nicht vollständig oder schnell genug abgebaut werden können, werden so konstruiert, dass sie als „technische Nährstoffe“ innerhalb eines technischen Kreislaufs verbleiben und somit vom ökologischen System ferngehalten werden. Hat ein Produkt ausgedient, landet es nicht auf dem Müll, sondern wird in eine nächste Stufe der Nutzung überführt, die gleichwertig mit der vorangegangenen oder sogar höherwertiger („Upcycling“) als diese ist. Computergehäuse könnten beispielsweise immer wieder verwendet werden, wenn das Gerät durch eine regelmäßige Bestückung mit neuem elektronischen Inhalt aktualisiert wird. Und selbst wenn sich die bisherige Funktion des Computergehäuses erschöpft haben sollte, könnte es auf einer sich anschließenden Nutzungsstufe einem anderen – unter Umständen sogar höheren – Verwendungszweck zugeführt werden. Die Gehäuse könnten so beschaffen sein, dass sich jeweils mehrere von ihnen über bereits vorhandene Schraubenlöcher zu einem Regal- oder Schranksystem ergänzen lassen, um beispielsweise in Lagerräumen genutzt zu werden. Durch dieses als „Upcycling“ bezeichnete Prinzip dient jeder Abfall als Ausgangsstoff für ein neues hochwertiges Produkt.
Zahlreiche Firmen stellen ihre Produktion nach dem Konsistenzmodell um und auch ganze Regionen erproben das Konzept. Der niederländische Teppichhersteller Desso beispielsweise hat seinen gesamten Betrieb umgestellt. Er produziert nun Teppiche aus Materialien, die giftfrei sind und zu 100 % wiederverwertet werden können. Die Firma nimmt gebrauchte Teppiche zurück und stellt daraus neue her. Die im Betrieb benötigte Energie wird aus einer eigenen Solar-, Biogas- und Windkraft-Anlage gewonnen. Ein anderes Beispiel ist das österreichische Unternehmen Gugler, das schadstofffreie Druckprodukte herstellt. Bei dem üblichen Papierrecycling bleiben große Mengen giftiger Papierschlämme übrig und belasten die Umwelt, weil toxische Druckerfarben nur schwer vom Papier getrennt werden können. Gugler stellt in einem Cradle-to-Cradle-Verfahren Papier und Farbe her, die schadstofffrei sind und zu einem deutlich höheren Grad wiederverwendet werden können.
Dennoch:
Die Stoffkreisläufe der Wirtschaft sind nicht ohne Massen- und
Energieverluste machbar, absolute Konsistenz bleibt also ein
unerreichbares Ideal. Auch ein 100 % biologisch abbaubares Duschgel
verbraucht Energie in der Herstellung. Dennoch versteht sich Konsistenz
als Anstoß für die Industrie, dieses Ideal anzustreben und sowohl
Ressourcenverbrauch als auch Emissionen so weit wie möglich zu senken.
Suffizienz
Eines
Tages wird Herr Keuner gefragt, wie er es denn mit der Suffizienz
halte. „Nun ja“, antwortet Herr Keuner, „so recht einleuchten will sie
mir nicht. Wieso soll ich plötzlich auf etwas verzichten, das ich
eigentlich noch nie haben wollte?“
(in Anlehnung an Bertolt Brecht)
Der Begriff „Suffizienz“ hat seine Wurzeln im lateinischen „sufficere“, was soviel wie „ausreichen“ bedeutet. Suffizienz wird oft auch als Genügsamkeit oder Angemessenheit übersetzt. Sie stellt die Frage nach dem rechten Maß: Wie viel brauchen wir für ein gutes Leben? Und was brauchen wir nicht? Hinter den Fragen steht das Ziel, den Rohstoff- und Energieverbrauch so weit wie möglich zu verringern, indem die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, insbesondere nach solchen, die einen hohen Ressourcenverbrauch erfordern, verringert wird.
Zentral ist die Frage, welche Bedürfnisse eigentlich für ein gutes Leben erfüllt sein müssen. Die eigenen Bedürfnisse sollen befriedigt werden – dabei sollen aber nicht nur materielle Bedürfnisse in den Blick genommen werden. Kritisch wird betrachtet, dass durch technologische Entwicklungen und Werbung immer wieder neue Bedarfe geschaffen werden. Das Schaffen neuer Bedarfe geht beim Menschen wahrscheinlich unendlich. Bspw. hat sich vor 10 Jahren wohl niemand ohne Smartphone beeinträchtigt gefühlt. Heute geht es für viele kaum noch ohne. Diese immer wieder neuen Bedarfe treffen aber auf eine begrenzte Welt – begrenzt durch endliche natürliche Ressourcen. Gelungenes Leben heißt im Suffizienz-Ansatz, nicht jedem neu geschaffenem Bedarf hinterherzulaufen, nicht ständig von neuen Begierden getrieben zu sein. Statt immer nach Neuem zu verlangen, geht es auch darum, bewusst auf etwas verzichten können, auf Dinge warten zu können, sich am Bestehenden zu erfreuen, die Beziehung zum Existierenden zu pflegen, Bedürfnisse zu befriedigen, ohne dafür konsumieren zu müssen.
Somit setzt die Suffizienz im Gegensatz zu Effizienz und Konsistenz nicht in der Veränderung der Produktion, sondern auf der Seite des Konsums an. Sie schaut sich die Seite der Bedarfe an und zielt in erster Linie auf die Veränderung von Lebensstilen, also letztlich auf einen kulturellen Wandel in der Gesellschaft.
Suffizienz-Schritte können unterschiedlich weit reichen. Manche verlangen nichts anderes als kleinere Veränderungen des Verhaltens, z. B. indem ich mir ein Werkzeug nicht kaufe, sondern bei Bedarf von den Nachbar_innen leihe. Andere greifen erheblicher in die Lebensführung ein, z. B. indem ich auf Flugreise verzichte und Transportmittel nutze, die mehr Zeit brauchen. Suffizienz beginnt mit korrigierten Gewohnheiten, setzt sich fort in verändertem Nutzungsverhalten und reicht bis zu gewandelten Lebensstilen und Wirtschaftsweisen.
Scheint dieser Ansatz zunächst sehr individuell zu sein („Brauche ich wirklich schon wieder ein neues Handy?“), wird auf den zweiten Blick deutlich, dass Suffizienz auf verschiedenen Ebenen ansetzen kann: Natürlich kann jede_r Einzelne Suffizienz- Schritte gehen. Zu diesen gehören die sparsame Verwendung von Energie, Ernährung mit Lebensmitteln aus der Region, ein seltener Fleischverzehr oder gar kein Konsum tierischer Produkte, weniger Fernurlaube und mehr Fortbewegung mit Rad, Bahn und Bus etc. Doch die Ausgestaltung unserer Konsumgewohnheiten und Lebensstile ist kulturell und institutionell beeinflusst. Unternehmen können ihre Produkte suffizienz-tauglicher gestalten und auf Unschädlichkeit, Haltbarkeit und Reparierbarkeit umstellen. Auch Regierungen können eine ressourcenschonende Suffizienzpolitik betreiben, ein Tempolimit auf der Autobahn einführen oder den öffentlichen Nahverkehr subventionieren. Hierfür braucht es eine gemeinsame Verständigung in der Gesellschaft: Wie wollen wir leben? Was sind die zentralen Güter, die wir erhalten wollen?
Suffizienz wird leicht als Mangel oder Askese verstanden. Doch neben der ökologischen Komponente geht es bei Suffizienz auch um die Frage, ob uns ein ständiger Zuwachs an Konsumgütern, an vermeintlich Neuem und an Unterhaltung tatsächlich glücklicher macht. Vetreter_innen wie z. B. Niko Paech bezeichnen Suffizienz nicht als Verzicht, sondern als Entrümpelung und Befreiung vom Wohlstandsballast. Wer in einer Überkonsumgesellschaft von einer Lawine an Selbstverwirklichungsoptionen überrollt wird und immer wieder erfolgreich vermittelt bekommt, jetzt noch mehr zu brauchen, verzichtet nicht, sondern befreit sich vom Stress ständiger Kaufentscheidungen, Reizüberflutung, Sinnentleerung und hinderlichem Ballast, der Geld, Zeit, Raum und ökologische Ressourcen kostet. Suffizienz muss sich also nicht als Beschränkung anfühlen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit weniger dem Kaufen und Nutzen von Geräten widmen, haben wir vielleicht mehr Zeit für die Dinge, die uns im Leben wirklich wichtig sind?
- BUND, eed u. a.: Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt, 2008.
- Manfred Linz: Weder Mangel noch Übermaß, Wuppertal Papers, 2004.
- Niko Paech: Nachhaltigkeit zwischen ökologischer Konsistenz und Dematerialisierung: hat sich die Wachstumsfrage erledigt? (www.umweltethik.at).
- Uwe Schneidewind/ Angelika Zahrndt: Damit gutes Leben einfacher wird. Perspektiven einer Suffizienzpolitik, 2013.
- Studio!sus, Ausgabe 10, 2008.

1. Video: Leitfragen als Relevanzinstruktion und für Vorwissenaktivierung & Transfer
Für die Notizen zu den Leitfragen wird hier mittels H5P Essay ein offener Notizblock bereitgestellt.
2. Textbegleitung durch geschlossene Fragen zur Unterstützung der Wissenerschließung
- In den nachfolgenden Text sind jeweils am Ende der drei zentralen Teikapiteln geschlossene Fragen integriert, welche die Wissenserschließung unterstützen.
a) Nach jedem Teilkapitel zielen die Aufgaben darauf,- den Fokus auf zentrale Merkmale zu richten und die Bildung von Fehllvorstellungen zu vermeiden.
b) Die Aufgaben am Ende zielen darauf,-
- die drei vorgestellten Prinzipien auf Beispiele anzuwenden, wofür die zuvor behandelten Mermale genutzt werden.
Die Umsetzung mit dem H5P Quizset mit verschiedenen H5P Fragetypen (Multiple/Single Choice, Drag & Drop, Fill in the Blanks).
Merkmale aller drei vorgestellten Prinzipien herauszustellen, zu vergleichen und zu differenzieren (Das selbstständie Zuordnen der Merkmale zu den drei Prinzipien hat einen höheren Lernwert als die direkte Darbietung der Merkmale.);