Lernziele als Ausgangspunkt
Am Anfang der Kurserstellung steht die Frage, was Studierende nach Abschluss des Kurses können sollten:
- Was sind die Lernziele des Kurses?
- Warum lohnt es sich für Lernende, den Kurs zu absolvieren?
Wichtig ist, die Lernziele aus Perspektive der Studierenden zu formulieren und sich auf das Können, also auf Kompetenzen, zu fokussieren. Eine Liste an Themen, die Lernende am Ende kennen, ist keine geeignete Darstellung der Lernziele.
Am besten werden Lernziele in Form beobachtbarerer Handlungen formuliert. Dadurch ist sichergestellt, dass überprüfbar ist, ob die Lernziele erreicht wurden.
Gut geeignet sind Sätze, die wie folgt beginnen: "Am Ende des Kurses können Lernende ... Ansätze des Diversity Managements detailliert erläutern und miteinander vergleichen". Ungünstig sind Sätze mit wissen und kennen ("Die Studierenden kennen die Fachbegriffe XYZ"), denn Wissen und Kennen lässt sich nicht beobachten. Besser geeignet wäre ein Satz wie Die Studierenden können zentrale Fachbegriffe erläutern.
können + Verb + Objekt (+ Adverb (optional))
Beispiel:
Studierende können Ansätze des Diversity Managements [=Objekt] detailliert [=Adverb] erläutern [=Verb].
Des Weiteren ist wichtig, dass mit den Lernzielen verschiedene Kompetenzstufen adressiert werden. Wissen wiedergeben reicht als Lernziel nicht aus. Zusätzlich sollen Studierende Wissen beispielsweise beurteilen oder zur Lösung von Problemen einsetzen können.
Empfehlenswert ist es, sich bei der Festlegung der Lernziele an der Taxonomie von Bloom und Kolleg:innen zu orientieren. Diese differenzieren sechs Kompetenzstufen (siehe Grafik), die ein Kurs alle abdecken sollte. Jeder Kompetenzstufe sind verschiedene Tätigkeiten zugeordnet. Die entsprechenden Verben eignen sich zur Formulierung von Lernzielen auf der jeweiligen Kompetenzstufe.
Lernziel-Taxonomiestufen mit Beispielverben (nach Kratwohl & Anderson, 2001)
- 6 Kreieren/Erschaffen: planen, produzieren, entwickeln
- 5 Evaluieren/Beurteilen: bewerten, überprüfen, entscheiden, kritisieren
- 4 Analysieren: vergleichen, kategorisieren, diskutieren, ableiten
- 3 Anwenden: berechnen, übertragen, demonstrieren, Beispiele finden, klassifizieren
- 2 Verstehen: erklären, generalisieren, zusammenfassen
- 1 Erinnern: nennen, aufzählen, wiedergeben
Niveau der Lernziele
Im Blick zu behalten ist auch das Niveau der Lernziele. Zum einen sollten die Lernziele realistisch, also durch den Kursbesuch tatsächlich erreichbar sein. Zum anderen sollten sie sich am Niveau des Bachelorstudiums orientieren.
Beispiel Lernziele
- Du kannst die Bedeutung und Zielsetzung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung erklären.
- Du kannst Beispiele für die Umsetzung einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung darstellen und ihre Vor- und Nachteile vergleichen.
- Du kannst verschiedene methodische Ansätze zur Förderung von Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung differenzieren und geeignete Ansätze unter Berücksichtigung des Bildungskontextes auswählen.
- Du kannst eigene Anwendungsszenarien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung inkl. der methodischen Ausgestaltung entwickeln und diese bewerten.
Externes Supportmaterial zur Lernzielformulierung
- Handreichung der Hochschulrektorenkonferenz/ Projekt Nexus (PDF)
- Kurzanleitung mit Beispiel der ETH Zürich (PDF)
- Verbtabelle nach Kompetenzstufe (PDF) des Portals "Lehre Laden" der Ruhr-Uni Bochum
- Handreichung Lernzielformatierung der Uni Mainz (PDF) (S. 7)
