1. Leitfragen als Relevanzinstruktion zum Video

  • Für das Video werden Leitfragen als Relevanzinstruktion, die den Fokus auf die besonders relevanten Inhalte lenken, angeboten.
Für die Erstellung der Notizen wird ein strukturierter Notizblock mittels H5P Documentation Tool bereitgestellt.

2. Vergleichsauftrag als Elaborationsaufgabe zum Abschluss

Am Ende der Seite wird ein Vergleichsauftrag als Elaborationsaufgabe gestellt:
  • Neu erworbenes Wissen (zu Technikfolgenabschätzung) muss mit bekanntem Wissen aus einem vorausgehendem Lernelement (Ökobilanzierung) durch einen Vergleich verbunden werden.
  • Das eigenständige Vergleichen der zwei Technologiebewertungsansätze und die damit verbundene Reflexion und Verknüpfung von Wissen erzeugt eine höherwertige kognitive Aktivierung und hat einen höheren Lernwert, als wenn der Vergleich direkt präsentiert und von den Lernenden nur rezipiert wird.
  • Um die Korrektheit des selbsterstellten Vergleichs zu überprüfen, wird eine Musterlösung angeboten (Die Musterlösung ist erst verfügbar, wenn min. 100 Zeichen eingegeben wurden)
Die Umsetzung erfolgt als offene Frage mittels H5P Essay, welches erlaubt, Musterlösungen zu hinterlegen.

Was ist Technikfolgenabschätzung?

Technik und ihr Gebrauch haben manchmal nicht-intendierte Folgen. Technologien zur Verarbeitung von Erdöl haben die Industrialisierung entscheidend vorangebracht - leider aber auch den Klimawandel und Plastikmüllberge. Wie lassen sich Technikfolgen abschätzen und wie können schon bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien mögliche Folgen ihres Gebrauchs reflektiert werden? Hier hilft uns die Technikfolgenabschätzung weiter. Was die macht, wie sie vorgeht und wer ihre Adressat:innen sind, genau das erfährst du im Folgenden.

ca. 30-40 Min.

Was ist Technikfolgenabschätzung (TA)?

In den vorherigen Lerneinheiten haben wir verschiedene Technologien kennengelernt, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können. Für die Energiewende sind nachhaltige Technologien beispielsweise unverzichtbar. Technologien sind jedoch keinesfalls nur die Lösung. Viele der massiven Probleme, die wir heute haben, wurden durch Technologien (mit)verursacht: Technologien, die auf der Nutzung und Verbrennung fossiler Rohstoffe beruhen, haben große Fortschritte und Wohlstand gebracht, haben aber auf der anderen Seite durch die massiven Treibhausgasemissionen den menschengemachten Klimawandel und viele weitere Umweltschäden verursacht – seien es (Plastik-)Müllberge, verunreinigte Gewässer oder Luftverschmutzung. 

Diese schädlichen Folgen waren in der Regel zum Zeitpunkt der Entwicklung und Etablierung der Technologien nicht absehbar: Es gab weder ausreichend Wissen über mögliche Folgen noch die entsprechende Sensibilität, Nebenfolgen zu reflektieren. Um den Nutzen einer Technologie im Allgemeinen und deren Nachhaltigkeit im Speziellen zu bewerten, braucht es eine Perspektive, die nicht nur den kurzfristigen Nutzen sowie nicht nur die Folgen für eine kleine Zielgruppe einbezieht.

Genau hier setzt die Technikfolgenabschätzung an. Was diese macht und wie sie vorgeht, erklärt Prof. Armin Grundwald vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Neben seiner Professur für Technikphilosophie leitet er das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) sowie das Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Außerdem hat er schon früh eines der zentralen Lehrbücher zum Thema Nachhaltigkeit verfasst.

Schau Dir das Video und notiere Dir:
  • Was ist das Ziel der TA? Wann wird sie eingesetzt und wie geht sie vor?
  • Welche Akteur:innen und Disziplinen sind an der TA beteiligt?
  • Welche Methoden nutzt die TA?
Nutze den Notizblock unter dem Video.
Videoquelle: Youtube-Video "Was ist eigentlich Technikfolgenabschätzung? – Armin Grunwald erklärt die Grundlagen der TA" vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) 

 

Behalte die Fragen zum Video beim Lesen der nachfolgenden Textausschnitte im Blick und ergänze Deine Notizen im obigen Notizblock. Nutze die zweite Seite des Notizblocks für Notizen, die über die vier Fragen hinausgehen.

Herausforderungen und Anforderungen an die TA

Eine Technikfolgenabschätzung durchzuführen, ist ein komplexer Prozess mit verschiedenen Herausforderungen. Welch das sind, wird im folgenden Zitat von Ortwien Renn deutlich, der Professor für Umwelt- und Techniksoziologie an der Uni Stuttgart und wissenschaftlicher Direktor am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) war.

Technikfolgenabschätzung umfasst die wissenschaftliche Abschätzung möglicher Folgepotenziale sowie die nach den Präferenzen der Betroffenen ausgerichtete Bewertung dieser Folgen, wobei beide Aufgaben, die Folgenforschung und -bewertung, aufgrund der unvermeidbaren Ambivalenz und Ungewissheit unscharf in den Ergebnissen bleiben werden. Prognosen sind unverzichtbare Bestandteile für gegenwärtige Entscheidungen. Sie dürfen uns aber nicht zur Hybris verführen, wir seien in der Lage, Ungewissheit soweit reduzieren zu können, dass wir eindeutige Antworten über Gestalt und Verlauf möglicher künftiger Chancen und Risiken geben könnten. […] Prognosen sind bestenfalls in der Lage, unsere Chancen einer bewussten Zukunftsgestaltung aufzuwerten.
Technikfolgenabschätzung kann dazu beitragen, auf mögliche Folgepotenziale hinzuweisen und damit prinzipiell vorhersehbare Fehler zu vermeiden. Vor allem kann sie eine Hilfestellung bieten, um auch in Zukunft Handlungsfreiheit zu erhalten, um bei einer möglichen Fehlentwicklung, also der Erfahrung überwiegend negativer Auswirkungen, flexibel genug zu sein, um auf andere Optionen ausweichen zu können.
(Renn, 2014)


Renn stellt in Bezug auf die Technikfolgenabschätzung drei Forderungen auf: 

„Erstens, Technikfolgenabschätzung muss sich immer an der Ambivalenz und Folgenunsicherheit der Technik orientieren.
Dabei muss sie zweitens zwischen der wissenschaftlichen Identifizierung der möglichen Folgen und ihrer Bewertung funktional trennen, dabei jedoch beide Schritte diskursiv miteinander verzahnen.
Drittens sollte sie ein schrittweises, rückkopplungsreiches und reflexives Vorgehen bei der Abwägung von positiven und negativen Folgen durch Experten, Anwender und betroffene Bürger vorsehen.“ (ebd.)

Literatur

Renn, Ortwien (2014): Mit Sicherheit ins Ungewisse. Möglichkeiten und Grenzen der Technikfolgenabschätzung - Essay. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (06-07). Zitiert nach https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/177759/mit-sicherheit-ins-ungewisse.

Als nächstes werfen wir mithilfe eines Textauszugs von Armin Grunwald noch einen Blick darauf, an welche drei Hauptgruppen sich die Ergebnisse der Technikfolgenabschätzung richten.

Adressat:innen der Technkfolgenabschätzung*

von Armin Grunwald

Technikfolgenabschätzung will also Technikfolgen vorausschauend erforschen, Orientierung ermöglichen und "Wissen zum Handeln“ für Gesellschaft und Politik bereitstellen. Die Vielfalt der Kontexte und Adressaten bringt es mit sich, dass TA sehr unterschiedlich konzipiert werden kann. Eine Fülle von Konzepten wurde entwickelt und teils erprobt (vgl. Grunwald 2010). Dabei haben sich drei primäre Adressatenfelder herausgebildet: politisches System, demokratische Öffentlichkeit und die Technikentwicklung

Politikberatung

Standardsetzungen, Regulierungen, Deregulierungen, Steuergesetze, Verordnungen, Forschungs- und Technologieförderung, internationale Konventionen oder Handelsabkommen, die auf Basis nationaler Vorstöße zustande kommen und die national ratifiziert werden, etc. beeinflussen auf verschiedene Weise den Gang der Technikentwicklung und -diffusion. Staatliche Institutionen und politische Akteure üben daher in unterschiedlichen Weisen Einfluss auf die technische Entwicklung aus. Politikberatende, insbesondere parlamentarische TA erstreckt sich nur auf die öffentlich relevante und politisch zu entscheidende Technikaspekte wie z.B. Sicherheits- und Umweltstandards, den Schutz der Bürger vor Eingriffen in Bürgerrechte, Prioritätensetzung in der Forschungspolitik, die Gestaltung von Rahmenbedingungen für Innovation etc. Hier geht es also um die Rahmenbedingungen, unter denen Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten und unter denen in der Wirtschaft Technik entwickelt und auf den Markt gebracht wird. Im parlamentarischen Bereich stellen sich Erwartungen und Anforderungen an TA hingegen in anderer Weise als in der Beratung von Fachreferaten in Ministerien, Behörden oder der EU-Kommission. Um sie zu realisieren, wurden unterschiedliche Formen der Institutionalisierung parlamentarischer TA ausgeprägt, welche in europäischen Ländern häufig auch mit den unterschiedlichen politischen Kulturen verbunden sind (PACITA 2012). Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (Petermann/Grunwald 2005) arbeitet nunmehr seit bald 30 Jahren für das Parlament. Bio- und gentechnische Fragen sind häufig Anlass für TA-Studien (vgl. Sauter 2005)

Öffentliche Debatte

Die seit Beginn der TA immer wieder erhobene, anfangs jedoch kaum eingelöste Forderung nach Partizipation von Betroffenen, Stakeholdern oder Bürgern erfolgte vor allem vor dem Hintergrund der Bewertungsproblematik. Bewertungen sollten weder den wissenschaftlichen Experten (Expertokratie) noch den politischen Entscheidern (Dezisionismus) allein überlassen werden. Stattdessen ging es je nach Konzept darum, auch gesellschaftliche Gruppen, Interessenvertreter, betroffene Bürger oder auch ganz allgemein "die Öffentlichkeit“ in den Beratungs- und Bewertungsprozess einzubeziehen. Partizipative TA (Joss/Belucci 2002) beteiligt daher Personen und Gruppen außerhalb von Wissenschaft und Politik. Insbesondere sollen Beratungen über zukünftige Technik – einschließlich der Identifikation der Themen zur öffentlichen Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Technologien – unter größtmöglicher Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen. Entsprechend trägt TA in diesem Feld zu einer lebhaften und informierten öffentlichen Debatte über Technik bei.

Mitwirkung an der Technikgestaltung

Angesichts der Tatsache, dass Technikbewertung in der Erforschung und Entwicklung von Technik durch Ingenieure und in der Wirtschaft grundsätzlich betrieben werden muss, wenn z.B. eine Techniklinie als aussichtsreich, eine andere als Sackgasse bewertet wird, wenn zukünftige Produktchancen bewertet werden oder ein neues Produktionsverfahren im Betrieb eingeführt werden soll, kann TA auch direkt dort, d.h. an der Entwicklungsarbeit in Labors ansetzen. Nach Maßgabe der VDI-Richtlinie zur Technikbewertung (VDI 1991) sollen auch im Entwicklungsprozess Bewertungen nach gesellschaftlich anerkannten Werten erfolgen, die auch öffentliche Belange wie Sicherheit, Gesundheit und Umweltqualität einschließen. Diese Werte sollen das technische Handeln prägen und von den Ingenieuren in die Technik quasi eingebaut werden. Dadurch soll die Technikentwicklung in die "richtige“ Richtung gelenkt und sollen Fehlentwicklungen vermieden werden.

Literatur

Joss, S., Bellucci, S. (Hg.) (2002): Participatory Technology Assessment – European Perspectives. Westminster.

VDI – Verein Deutscher Ingenieure (1991): Richtlinie 3780 Technikbewertung, Begriffe und Grundlagen. Düsseldorf.

Sauter, A. (2005): TAB-Projekte im Themenfeld "Grüne Gentechnik“. In: Petermann, T., Grunwald, A. (Hg.): Technikfolgen-Abschätzung am Deutschen Bundestag. Berlin.

PACITA (2012): TA Practices in Europe. Report of the PACITA project. (PDF)

* Der Text zu den Adressat:innen ist ein unveränderter Auszug aus dem Text : Grunwald, Armin (2018): Technikfolgenabschätzung und Bioethik. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/umwelt/bioethik/262840/technikfolgenabschaetzung-und-bioethik/. Veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE.


Vergleich von Technikfolgenabschätzung und Ökobilanz

Was sind Unterschiede zwischen der Technikfolgenabschätzung und der Ökobilanz? Vergleiche beide.

Text soweit nicht anders gekennzeichnet und Aufgaben: Verena Eickhoff für SDG Campus 2025 als Creative Common BY-SA-4.0